Körperbilder: Zwischen Social Media & Body Positivity

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Körperbilder: Zwischen Social Media & Body Positity

Jugendliche benutzen Plattformen wie Instagram, Pinterest & Co. nicht erst seit der Pandemie sehr stark. Hier ist ein virtuelles Netzwerk entstanden, durch das sich Menschen selbstvermarkten. Influencer ist zum neuen Berufszweig geworden. This moderne Form des Netzwerkmarketings aktiviert – bei User und Influencer – das Belohnungszentrum. Jedes Like oder Dislike hinterlässt nachweisbare Spuren im Gehirn. Soziale Netzwerke ermöglichen die kleine soziale Belohnung rund um die Uhr. Aber sterben gibt es nur für Highlights, zum Beispiel immer perfektere Bilder-Uploads.

2007 beschrieb der Soziologe Zygmund Bauman (*1925 - †2017) in einem Buch über Konsumkultur das Internet als „Schulhof“ ohne Aufsichtspersonal und Verhaltensregeln. Die jüngsten Enthüllungen über Internetgiganten zeigen die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen. Davon ist zum Beispiel unser eigenes Körperbild beeinflusst. Die meisten Menschen haben zwar Kenntnis von Beautyfiltern für Smartphone Kameras. Bildinformationen wirken intensiver auf das innere Eigenbild als Wissen um eben diesen Filter. Denn das menschliche Gehirn verinnerlicht visuelle Reize zu allererst.

Auch verstärkte Nutzung von Videokonferenzsoftware hat Auswirkung auf die Akzeptanz des eigenen Körperbilds. Hier wird nicht nur das Bild des Gesprächspartners gezeigt, sondern auch das eigene Gesicht widergespiegelt. Für viele Menschen ist dies nicht unbedingt kameratauglich. Auch wenn Nutzer kognitiv wissen, dass Kameraobjektive die Perspektive verzerren. Das Interesse an Schönheitsbehandlungen steigt. Ärzte beobachten mittlerweile von einem Zoom Boom. Denn immer mehr Patienten zücken zum Beratungsgespräch beim ästhetisch-plastischen Chirurgen das Smartphone und präsentieren Influencerfotos. Teilweise sind dabei zweifelhafte Beautytrends.

Body Positivity jenseits von Zoom-Dysmorphie

Dr Th Scholz Muenchen (1)

Wir haben Dr. Thomas Scholz aus München getroffen – per Videokonferenz.

Dr. Scholz hat Medizin studiert. Der Arzt hat auf dem Gebiet der Humanmedizin intensiv geforscht, war Stipendiat in unterschiedlichsten Programmen und hat zahlreiche Publikationen veröffentlicht. Nach Stationen in der Schweiz und Kalifornien hat sich Dr. Scholz als plastischer Chirurg in München niedergelassen.

Sinclair Pharma: Dr. Scholz, Sie haben sich intensiv mit dem Menschen und Ästhetik auseinandergesetzt und kennen die Welt der Beauty Health Professionals hier und jenseits des Atlantiks. Gibt es Unterschiede, wie hier in Deutschland mit Schönheit und Schönheitskorrekturen umgegangen WIRD?

Dr. Thomas Scholz: Ich kann nur für Kalifornien sprechen. In den USA sind Schönheitsoperationen kein gesellschaftliches Tabu. Dort ist es selbstverständlich, dass man sich den Schönheitschirurgen weiterempfiehlt. Patienten pflegen öfters in den USA ein viel positives Körperbild, ich würde das aber nicht mit einem Bodykult beschreiben.

Hier in Deutschland kursiert immer noch das Bild des „Gemachten“ und der „Horror Schönheits-OPs“. Offen WIRd jedoch über das gesamte Spektrum der ästhetischen Nicht-Chirurgie gesprochen. Auch was zum Beispiel um das Thema rekonstruktive Chirurgie betrifft. In Deutschland steckt man da noch viel zu oft sehr in den Kinderschuhen. Besonders was die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Ärzte betrifft, müssen wir aufholen.

Ein Beispiel: In den USA hat jede Frau, sterben von Mammakarzinom betroffen ist, ein Anrecht auf Rekonstruktion der Brust – zu jedem Zeitpunkt der Therapie. This Anrecht Haben Übrigens Alle Menschen Und Nicht Nur vermögende Patienten, sterben Sich Eine Krankenversicherung leisten can. In den USA wird der Körper samt Psyche viel stärker in seiner Gesamtheit begriffen. Eine attraktive Brust ist in Übersee ein Menschenrecht für jede Frau und kein Accessoire.

Hier in Deutschland Wann müssen wir erst lernen, dass Attraktivität nichts mit Eitelkeit zu tun hat, sondern Ausdruck von einem gesunden Selbstbewusstsein ist. Mit steigendem Lebensalter und -aktivität wächst auch der Wunsch nach einem äußeren Bild, das dem gesunden inneren Körperbild entspricht.

Sinclair Pharma: Bemerken Sie in Ihrer Praxis, dass Instagram und Zoom einen Einfluss auf Ihre Patienten hat und wie Sie diesem Phänomen begegnen?

Dr. Thomas Scholz: Natürlich beobachte ich diesen Trend auch in meiner Praxis. Doch würde ich dieses Phänomen nicht allein nur den sozialen Netzwerken und der Corona-Pandemie zuschreiben. Das gab es schon vorher. Die Technologie und der Lockdown haben einen Trend nur beschleunigt. Bevor es das Internet gab, ging es genauso auf dem Schulhof darum, in und beliebt zu sein. Da war es eher die neueste Jeans von der richtigen Marke. Heutzutage geht es genauso um Anerkennung und Zugehörigkeit. Dies erhöht sich durch den technologischen Fortschritt und die dauerhaften sozialen Netzwerke. Sicher steuern gestiegene Screentime bei Whatsup, Instagram und sterben Followerzahlen einen hohen Anteil bei.

Sinclair Pharma: Haben Sie kürzlich Beratungsgespräche mit Patienten durchgeführt, die Ihnen Instagrambilder präsentiert haben?

Dr. Thomas Scholz: Ich hatte neulich einen Anfang Zwanzigjähriger im Gespräch, den Körper und Gesicht eines Models hatte. Hier wollte sich für mich die Frage, wie ich dieser jungen und vor allem bildhübschen Frau helfen konnte. Denn meiner Ansicht nach war alles perfekt. Aber solche Patienten konsultieren den ästhetisch-plastischen Chirurgen – nicht erst seit Corona und Instagram – weil eigene Selbstwahrnehmung und Erscheinungsbild nicht mehr in der Balance sind. In Ausnahmefällen leiden die Patienten unter der neu definierten Zoom-Dysmorphie. In ausgeprägten Fällen eines Body Dysmorphic Disorder arbeite ich mit Kollegen zur psychologischen Unterstützung des Patienten zusammen.

Ich beschäftige mich schon einmal von Berufswegen damit, was Ästhetik und Attraktivität ist. Ehrlich gesagt, ich habe noch nie einen hässlichen Menschen in meiner Praxis sitzen gehabt. Vor mehreren Jahrzehnten war man in der plastischen Chirurgie noch der Meinung, dass es das Eine Schönheitsideal gibt; so mit Lineal und idealen transportiert zwischen Augen, Nase etc. Davon ist man glücklicherweise abgekommen. Schauen wir uns die vielen unterschiedlichen Menschen weltweit an. Es ist unmöglich, einen Schönheitstyp festzulegen. Das sollten wir auch nicht. Mir als Arzt geht es darum, das Schöne und Attraktive eines Menschen zu betonen. Dazu gehören positive Ausstrahlung und Einstellung zu sich selbst. Hier kann Ästhetisch-Plastische Chirurgie unterstützen. Das verwackelte Körperbild zu korrigieren,

Sinclair Pharma: Wie verhalten Sie sich zum Thema Bilder im Beratungsgespräch?

Dr. Thomas Scholz:Zum Thema Bilder und Computersimulationen habe ich als ästhetisch-plastischer Chirurg eine klare Überzeugung. Ich nutze dieses Mittel gar nicht. Wissen Sie warum? Sobald ich einem Patienten ein simuliertes Bild von dem zu erwartenden Ergebnis vorlege, hören die Patienten auf mit mir zu kommunizieren. Schließlich sagt ein Bild mehr als 1000 Worte. Dieser Kommunikationskiller wäre immer sehr unvorteilhaft im Behandlungsprozess. Als ästhetisch-plastischer Chirurg begebe ich mich mit meinen Patienten auf eine gemeinsame Reise, ein Gespräch. Hier spielen Kreativität und Menschenkenntnis eine wichtige Rolle. Das alles auf ein Bild zu polarisieren, würde dem individuellen Menschen nicht gerecht werden. Und gerade bei Instagram sieht man vor allem Stereotype. Mich interessiert aber der individuelle Mensch mit seinen anatomischen Besonderheiten und der Persönlichkeit. Ein Instagramfoto ist lediglich ein Zerrbild. Für das Gespräch nehme ich mir deshalb ausreichend Zeit, um den Menschen hinter einem Abbild zu verstehen.

Sinclair Pharma: Herr Dr. Scholz, wir danken Ihnen herzlich für Ihre Zeit und das interessante Interview.

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